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Vorbemerkungen vom Verfasser dieser WEBSeite:

 

1) Diese Ausgabe des "Kleinods der Unterscheidung" von Mohini Chatterji kann man - nach Anmeldung - bei der Bayerischen Staatsbibliothek auch Online lesen. Es ist unter www. bsb-muenchen.de per Suchbegriff "Mohini Chatterji" unschwer  zu finden. (Stand: 22.2.2026)

Zum Autor (vorerst nur in englischer Sprache):

https:/ /southasianbritain.org/people/mohini-chatterjee/

https:/ /en.wikipedia.org/wiki/Mohini_Mohun_Chatterji

 

Anhand einer Fußnote vom Autor der folgenden, dankenswerten, Übersetzung des "Viveka Chudamani" ("Kleinod der Unterscheidung") ins Deutsche durch Chatterji, sei vorab erkläutert, wieso ich gewisse Anmerkungen von Chatterji - per Fußnoten *), **) gekennzeichnet -  usw nicht angebe.

 

Es geht, als herausgegriffenes Beispiel, um die Fußnote *) auf Seite Seite 28:

>>

*) Die Quelle alles Lebens auf Erden ist die Sonne.

Leben, Licht, Bewusstsein sind im Grunde genommen identisch. Die allen Lebensthätigkeiten zu Grunde liegende Energie ist Prana. Darin beruht das Geheimnis der Alchemie.

Ihr Finger rührt die Rosn, dass sie blüh'n,
Die Lotusblätter bildet ihre Hand;

Sie webt in dunkler Erd' in stiller Saat
Des Frühlings Prachtgewand.

Sie malt der Abendwolken Glanz, des Pfau'n

Smaragdbesetztes Rad ist ihr Besitz;

Auf Sternen wohnt sie; ihre Diener sind
Der Regen, Wind und Blitz."

(Edw. Arnold: Die Leuchte Asiens.")

<<

Soweit das Zitat dieser Fußnote:

Nun eine Anmerkung vom Verfasser dieser WEbSeite dazu, da an dieser Stelle sachlicherweise notwendig wäre:

>>

Anmerkung vom Verfasser dieser WEBSeite: So ganz stimmt diese Anmerkungvon Chatterji nicht; es gibt nunmal jene Lebnemsgemeinschaften in der Tiefsee dieser Erde, die von den heißen Gasen aus gewissen Vulkanschloten leben und nicht vom Sonnenlicht. Der Erfinder des Monotheismus (vgl.: Peter Köhler, „50 Klassiker - Religionen, Glaubenslehere von Abraham bis Zarathustra, Gerstenberg Verlag, 2010) Pharao Echnaton hatte bereits diesen Fehler in seiner Begründung vom 1-Gott-Glauben. Ende der Anmerkung vom Verfasser dieser WEBSeite.

<<

Darüberhinaus wäre auch die „Theosphie“ ein eigenes Thema.

Im Internet können sich jene LeserInnen, die das interessieren sollte unschwer informieren.

(zB.:

* https:/ /theosophische-gesellschaft.org/de/die-leuchte-asiens.htm

* https:/ /de.wikipedia.org/wiki/Theosophie

* https:/ /www.ezw-berlin.de/publikationen/lexikon/0theosophie/).

Dazu müßte ich mich dann, im Rahmen dieser WEBSeite, aber wiederum mit dem grundsätzlichen, folgenschweren Fehler im "Jesusbild" der evangelisch-lutherischen Kirche befassen, der daraus resultiert, daß Luther keine Ahnung vom Phänomen der Höhenkrankheit hatte und er es deshalb, folgenschwer (in der Kombination von "Versuchung des Jesus" und  dem späteren "Missionsbefehl" durch , angeblich nunmal, Jesus selber; für Jemanden, der in 2500 bis 3000m bereits schwer höhenkrank wird wär's egal, ob er von einem Turm springt, was Jesus bei der "Versuchung des Jesus" vehiment zurückwies per "Hinweg Satan!" oder aber, ob er , wegen des "Missionsbefehls" nach zB Tibet, ins Äthiopische Hochland, usw hinaufstiege oder ein von Höhenkrankeit nichts gewußt habende/habender Missionsorden-Äbtissin/Missionsorden-Abt einer der Schwestern/einem der "Brüder" einend erartigen Missions-Befehl erteilt hätte) für dessen Ausführungen, mißachtete.

Betreffs Höhenkrankheit gibt es zahlreiche sachliche Darstellungen, z.B.:

https:/ /www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/reise-gesundheit/hoehenkrankheit-2519606

https:/ /www.adac.de/gesundheit/krankheiten/hoehenkrankheit/

https:/ /www.alpenverein.de/artikel/hoehenkrankheit_bfd22b0c-ebb3-4eb2-a39a-e788838da1ec

https:/ /www.bergzeit.de/magazin/hoehenkrankheit-symptome-behandlung/

https:/ /flexikon.doccheck.com/de/Akute_Höhenkrankheit

oder auch einfach das Büchlein von (Prof. Dr. med.) Klaus Mees:

Mees, Prof. Dr. Klaus, "Höhentrekking und Höhenbergsteigen", ISBN 978-3-7654-5493-6, Bruckmann-Verlag, 2011

Auch beim Umgang mit faktischer Wahrheit (etwa beim Übersetzen aus fremden Sprachen zeigten sich, anhand eines Beispiels in "www. meditationsstreit-91-19i.de") erhebliche Defizite bei der ev.-luth. Mission. (jenes Heftchen wozu es um Gegendarstellungen in "www. meditationsstreit-91-19i.de" nunmal nebenher zu gehen hat, wurde im Rahmen der ev.-luth. Schriftenmission in mehreren Auflagen publiziert.)

 

Tatsächlich betrifft es, in etwas anderer Weise, auch die r.-kath. Kirche.

Darüberhinaus tangiert es aber auch die Shankaracharya-Tradition, wegen eines Interviews das Swami Swaroopananda für den Film "David wants to fly" von David Sieveking (Der Kino-Film wurde auch mal im ZDF - oder war's in der ARD? ausgestrahlt.):

Swami Saroopandanda kritsierte die Meditationsorganisation und davon verbreitete Meditationslehre, um welche es in jenem Film nunmal geht. Er erklärte, daß es dabei, aufgrund der Ihm mal gesagten Mantren, nur um weltliche Dinge gehe. Als Alternative schlug er, das Phänomen der Höhenkrankheit vernachlässigend und die damit verbundenen Gefahren leugnend und mißachtend, vor, alternativ zur "Quelle des Ganges" zu gehen und sagte dazu, daß das eine spirituelle Sache dann wäre.

Er wies weder auf Aklimatisation, noch auf die, bereits ab 2500m Höhe tödlich enden könnende, Höhenkrankheit hin.

Das war eine verantwortungslose Lehre. 

Nachdem er zur Zeit des Interviews nunmal Shankarcharya von Dwaraka war, tangiert diese Problematik also auch die Shankaracharya Tradition.

 

Auf diese Problematik im Zusammenhang mit den Lehren der ev.-luth. und r.kath Kirche, gehe ich im Rahmen meiner WEBSeite "www. meditationsstreit-91-19i.de" sachlich und unabhängig von dieser WEBSeite ein, an den betreffenden Stellen ein, notabene. Auch auf Swami Swaroopananda, mit genauer Angaben wo jenes Interview im Film zu finden ist, gehe ich dort ein.

 

 

2) Es gibt zahlreiche Übersetzungen des "Viveka Chudamani" in die Deutsche Sprache.

Dies ist lediglich einer davon.

Eine der Übersetzungen war (und ist auch noch am 22.2.2026 im Katalog verzeichnet gewesen: siehe: https:/ /ssl.muenchen.de/aDISWeb/app;jsessionid=D2BA476A0772B990AF7C1FB6AD8F587A ) im Bibliotheksbestand der Stadtbücherei München zu finden (gewesen).

 

Eine andere Übersetzung gibt es in der Serie "Weisheitsbücher der Menschheit" vom O.W. Barth Verlag:

Shankara, "Das Kleinod der Unterscheidung" mit einer Einleitung von Svami Prabhavananda und Christopher Isherwood, 1957, Otto Wilhelm Barth-Verlag GmbH, München-Planegg. Die autorisierte Übersetzung wurde von Ursula von Mangoldt erstellt.

Betreffs der Übersetzerin Ursula von Mangoldt:

siehe etwa:

https:/ /www.deutsche-biographie.de/sfz57723.html?language=de

https:/ /de.wikipedia.org/wiki/Ursula_von_Mangoldt-Reiboldt

 

oder auch:

"Das Kleinod der Unterscheidung", neu gefaßt von Bernd Helge Fritsch, "Books on demand".de, 2015

Betreffs des Autors Helge Fritsch, siehe etwa:

https:/ /www.amazon.de/stores/author/B00458MT70/about

 

usw

 

 

 


>>

Das

Palladium der Weisheit

(Viveka Chundamani)

Von

Sankaracharya

 

Aus dem Sanskrit übersetzt

Von

Mohini Chatterji.

 

LEIPZIG.

 

Verlag von Wilhelm Friedrich.

 

 

 

 

 

Vorbemerkung.

———

 

Die drei grossen Leuchten Asiens sind die Upanischaden, Gautama Buddha und Sankaracharya. Der Ursprung der Upanischaden liegt in einem vorhistorischen, längst vergangenen Zeitalter, als die Welt noch nicht unter der Last der Beschwerden, welche das Kali-Yoga mit sich brachte, sich wand. Buddha, der Erleuchtete, in dessen Seele der Tag der Selbsterkenntnis erschienen war, und der das ihm zu teil gewordene Licht der ganzen Menschheit mitzuteilen bestrebt war, suchte das Kastenwesen, Pfaffentum und Dogmatismus niederzuwerfen, und jeden zum eigenen Nachdenken, zur eigenen Erhebung der Seele, zum eigenen geistigen Wachstum anzuregen, ihm die Hindernisse zu zeigen, die der Erkenntnis des göttlichen, schrankenlos unendlichen Selbsts im Wege stehen, die Mittel anzugeben, diese Hindernisse zu beseitigen, und ihm den Weg zur Freiheit zu weisen.

 

 

— 2 —

 

Aber nicht jedermann ist fähig, das ganze Licht zu erfassen; der eine ist nur für diesen, der andere nur für jenen Strahl desselben empfänglich. Die höchsten Ideale sind nicht für die grosse Menge, für welche sie unnahbar, unglaublich und unfassbar sind, zu beschreiben, und das Höchste erscheint nur als ein Traum für jene, die nicht geeignet sind, in der Höhe zu wohnen; das Licht des Tages wird von den Bewohnern der Sümpfe verhöhnt und das Reine beschmutzt, wenn es von den Unverständigen in den Staub getreten wird. Buddhas Lehren waren zu erhaben, um von anderen als von grossen Seelen verstanden zu werden.

 

  Da kam Sankaracharya, der Meister. Ihm war es darum zu thun, die Lehre der Wahrheit in ihrer Reinheit im engeren Kreise zu bewahren, und er wählte zur Mitteilung der tieferen Geheimnisse der Religion die Kaste der Brahminen, welche durch hohe Geburt (die Folge eines in früheren Inkarnationen erworbenen guten Karmas) zum Verständnisse einer höheren und edleren Weltanschauung am besten geeignet waren. Zu diesem Zwecke schrieb er seine Erklärungen der Upanischaden

 

 

— 3 —

 

und der Bhagavad Gita, sowie andere in diese Lehren einführenden Werke, und führte gewisse Regeln in dem Orden der Brahminen ein.

  Die Schriften Sankaracharyas sind unübertrefflich in Klarheit der Auseinandersetzung. Sie sprechen nicht nur zum Herzen, sondern auch zum Verstand, und wer sie mit dem Herzen erfasst und mit dem Verstande begreifen lernt, dem öffnet sich eine neue und höhere Welt, er tritt ein in eine Region des Lichtes und der Erkenntnis, von deren Vorhandensein nur wenige Europäer eine Ahnung haben. Wohl wird von manchen behauptet, dass im Christentum alles enthalten sei, und dass, wer dieses erkenne, sich um die Lehren der Indier nicht zu bekümmern brauche. Allerdings ist im wahren Christentume auch alles enthalten, aber verhüllt und verborgen, und wie wenige sind es, die ohne Hilfe den Schleier zu lüften imstande sind, der die Wahrheit unter äusserlichen Symbolen und Allegorien verbirgt. Gerade um die im Christentum verborgene Wahrheit in ihrer Reinheit, frei von äusserlichen Verdrehungen, zu erkennen; hierzu haben die Schriften Sankaracharyas den grössten Wert.

 

 

 

 

 

 

 

Einleitung.

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Ich beuge mich vor dem Herrlichen, dem

gegenstandslosen Gegenstand des höchsten Triumphes der göttlichen Erkenntnis, welcher die höchste Seligkeit und der wahre Lehrer ist.

  Schwer ist es für die Geschöpfe, ein Dasein als Mensch zu erlangen*); dann Menschenwürde und Heiligkeit; dann Auszeichnung auf dem Wege des weisen Gesetzes; ein Mensch unter den Menschen, ein Brahmine unter den Brahminen zu werden. Am schwersten aber ist die Erlangung der Weisheit (Gotteserkenntnis). Die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst**),

 

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*) Weil es Millionen von Jahren dauert, bis die Monade sich vom Elementarreich zum Mineralreich, von diesem zum Pflanzenreich, dann zum Tierreich und schliesslich zum Menschen erhoben hat.

**) Infolge der Schwierigkeit, das vergängliche endliche Selbst vom unendlichen göttlichen Selbst (Gott) zu

 

 

 

— 5 —

 

wahre Erkenntnis, die Gegenwart des Ewigen und die göttliche Freiheit werden nicht erlangt ohne Tausende von richtigen Handlungen in Hunderten von Wiedergeburten.

Die Dreiheit, welche durch die Gnade des Herrlichen erlangt wird, ist Menschwerdung, Bestreben (Aspiration) und Ruhe im grossen Geiste.

Wahrlich, derjenige ist ein Thor, welcher nicht nach der Freiheit strebt, nachdem er das schwer zu erlangende Dasein als ein menschliches Wesen, menschliches Selbstbewusstsein und die Kenntnis der Lehre der Wahrheit gewonnen hat. Indem er sich an das Vergängliche bindet, zerstört er im (geistigen) Selbstmord sich selbst.

Wer ist mehr angeführt und getäuscht, als wer für sein eigenes Wohlergehen nicht

 

———————

unterscheiden, giebt es viele Europäer, welche entweder aus Unwissenheit oder aus Böswilligkeit behaupten, dass die indische und buddhistische Religion eine Religion der „Selbstvergötterung" sei. Es ist aber gerade das

Gegenteil der Fall. Die Vereinigung des Brahminen mit Brahma, das Eingehen des Buddhisten in das Nirwana und die gänzliche Aufopferung des menschlichen „Selbsts" der Christen auf Golgatha bedeuten eins und dasselbe.

 

 

— 6 —

 

sorgt, nachdem er das schwer zu erreichende Ziel, als menschliches Wesen geboren zu werden und Mensch zu sein, erlangt hat?

  Suchet das Gesetz (das Dasein) zu erkennen; opfert (euer Dasein) den Göttern; befolget die Vorschriften (der Weisen).

  Wer die Einheit des Selbsts (Gottes) nicht erkennt, der gelangt nicht zur Freiheit, wenn er auch hundert Jahre lang nach ihr sucht. Die Schrift sagt: „Unsterblichkeit kann nicht durch Reichtum erlangt werden." Hieraus folgt, dass Äusserlichkeiten allein nicht zur Freiheit führen *).

  Deshalb strebt der Weise nach Freiheit und verlässt alles Sehnen nach der Befriedigung des persönlichen Selbsts; er nähert sich dem guten und grossen Führer (dem wahren göttlichen Selbst) und seine Seele lauscht dessen Lehren.

  Erhebe durch das Selbst (Gott) das Selbst

 

——————

*) Unter „Reichtümern" sind nicht nur materielle Besitztümer, sondern auch intellektuelle Erwerbungen zu verstehen. Durch blosse Vielwisserei hat noch niemand eine dauernde Seligkeit erlangt.

 

 

— 7 —

(die Seele), welches in den Ocean der Welt versunken ist, gehe den Weg der Vereinigung, in dem du nach völliger Selbsterkenntnis der (göttlichen) Einheit strebst.

  Lasse alle Äusserlichkeiten beiseite, wenn du weise bist, und wende deine Gelehrsamkeit dazu an, dein wahres Selbst erkennen zu lernen und Freiheit aus der Knechtschaft der Welt zu erlangen.

  Die Befolgung äusserlicher Vorschriften ist gut, um deine Gedanken rein zu erhalten, aber zur Wahrheit und Wirklichkeit führt sie dich nicht. Die Verwirklichung wird durch die Weisheit, nicht aber durch Tausende von Äusserlichkeiten erlangt.

  Wer einen Strick genau betrachtet, der hört auf zu fürchten, dass es eine Schlange sein könnte.

  In gleicher Weise wird das wahre Wissen durch die Unterscheidung erlangt. Da hilft die Belehrung und Untersuchung, nicht aber das Besprengen mit Wasser, noch Schenkungen an die Kirche, noch dass man hundert Male den Atem verhält.

 

 

— 8 —

 

 

  Dem Erfolg geht die Reife voran; Zeit und Ort sind von nebensächlicher Bedeutung.

  Wer die Selbsterkenntnis (die Wahrheit) finden will, der suche vor allem den Meister (das höhere göttliche Selbst), der voller Barmherzigkeit und voll von der Erkenntnis des Ewigen ist.

 

 

 

 

———————

 

 

 

 

 

Die vier Vollkommenheiten.

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  Wer Kenntnis, Weisheit, Vernunft und Unterscheidungskraft besitzt und die wohlbekannten Zeichen an sich trägt, der ist reif, um nach dem (wahren) Selbst zu suchen.

  Wer (zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen) unterscheiden kann und Leidenschaftslosigkeit errungen hat, Ruhe und die anderen Tugenden besitzt, der kann , den Ewigen finden.

 

  Vier Vollkommenheiten sind den Weisen bekannt; wer sie besitzt, dem winkt der Erfolg; wer sie nicht hat, der verfehlt das Ziel.

  Zuerst kommt die Fähigkeit, das Dauernde vom Vergänglichen zu unterscheiden; dann die Leidenschaftslosigkeit und Erhabenheit über alle Begierde nach selbstsüchtigem Genuss; sei es in diesem Leben oder im Paradiese. Dann kommen die sechs Tugenden, deren

 

 

 

— 10 —

erste die (göttliche) Ruhe ist. Ferner die Sehnsucht (der Wille) nach Freiheit.

  Die Unterscheidung zwischen dem Dauernden und dem Vergänglichen besteht in der Gewissheit der Wirklichkeit des Ewigen und der Wesenlosigkeit der veränderlichen Zustände in der Natur.

  Die Leidenschaftslosigkeit ist das stete Bereitsein, allen sinnlichen Begierden und llem, das tiefer steht als das Ewige, zu entsagen, weil man beständig und ohne Zweifel erkennt, dass das Vergängliche nicht genügt.

  Dann die sechs Tugenden. Ein fortwährendes Ruhen des Gemütes in der Betrachtung des höchsten Zieles. Dies ist die himmlische Ruhe.

  Die Bezähmung der Kräfte, durch welche man handelt und wahrnimmt; jede in ihrer Sphäre, der Sinnlichkeit abgewandt. Dies ist die Beherrschung des Selbsts.

  Die wahre Abgeschiedenheit aber ist die Erhebung des Gemütes über alle vergänglichen Dinge.

  Alles zu ertragen ohne Widerwillen und Selbstbedauern; dies ist die wahre Ausdauer.

 

 

— 11 —

 

  Der wahre Glaube aber, durch den die Schätze gehoben werden, ist das aufrichtige Vertrauen in die Lehre des Meisters und in ihn selbst.

  Die richtige Betrachtung ist die Richtung der Seele nach dem reinen Ewigen; nicht aber die Schwärmerei und die eigene Phantasie.

  Das Streben nach Freiheit besteht in der Sehnsucht, durch die Erkenntnis der Wahrheit die Ketten, welche der Irrtum geschmiedet hat, zu zerbrechen, die Bande der Selbstucht und der Sinnlichkeit zu zerstören.

  Wenn auch diese Eigenschaften im Anfange sich noch sehr unvollkommen offenbaren, so werden sie doch durch Leidenschaftsosigkeit, Ruhe und durch die anderen Tugenden genährt, und durch die Hilfe des Meisters gelangt man zum Ziel.

  Wenn Leidenschaftslosigkeit und der Wille zur Freiheit stark geworden sind, dann wird die Ruhe und die anderen Tugenden Früchte tragen.

  Wenn aber ein Mangel an Leidensehaftslosigkeit und Mangel am Willen frei zu sein herrschen, dann ist die Ruhe und die anderen

 

 

— 12 —

 

Tugenden ein blosser Schein, wie die Luftspiegelung des Wassers in der Wüste.

  Die Hauptursache der Freiheit ist die Ergebung, das Eingehen der Seele in ihre eigene wahre Natur. Diese Ergebung kann auch ein Bestreben nach der Erkenntnis der Wirklichkeit des Selbsts (Atma) genannt werden.

  Wer diese Vollkommenheiten besitzt und die Wirklichkeit des Selbstes (Gottes) erkennen will, der nahe sich dem weisen Lehrer (dem höheren Selbst), von dem die Erlösung kommt, der voller Weisheit und vollkommen ist, der nicht von Begierden gepeitscht wird, in Wirklichkeit den Ewigen kennt, Ruhe im Ewigen gefunden hat, und mit sich selber in Frieden ist, wie ein Feuer, das nichts verzehrt; der Freund von allem, das lebt. Wer diesem Meister mit Ergebung dient und nach dem Ewigen strebt, der findet den Himmel (Harmonie) in ihm und die Erkenntnis des Selbsta.

 

———————

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

— 13 —

 

 

 

Die
Anrufung Gottes (des höheren Selbsts).

 

 

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  „Ich unterwerfe mich dir, oh Meister, Freund der bedrückten Welt und Strom der selbstlosen Liebe.

 

  „Erhebe mich durch dein leitendes Licht, aus dem der Nektar der Wahrheit und Barmherzigkeit fiiesst; denn ich bin im Meere der Weltlichkeit versunken.

 

  „Ich bin gebrannt durch die heisse Flamme des erbarmungslosen Lebens und zersplittert durch die Winde der Täuschung. Rette mich vom Untergange, denn ich suche in dir meine Zuflucht und finde sonst nirgends die Ruhe." ¹

 

  Die grossen Guten (die Weisen) wohnen im Frieden, sie bringen Freude der Welt, so wie der wiederkehrende Frühling. Sie haben das Meer des Irrtums durchschnitten und sind stets bereit, anderen dabei behilflich zu sein.

 

 

 

— 14 —

 

  Denn es liegt in der Natur grosser Seelen (Mahatmas), dass ihre Schnelligkeit die Ermüdung der anderen hinwegnimmt. Gleicherweise besänftigt der Mond durch sein sanftes Licht die lechzende Erde, welche durch die heissen Strahlen der Sonne versengt ist.

 

  „Netze mich mit dem Nektar deiner Stimme, welche die Freude der ewigen Seligkeit bringt, die rein und kühlend wie aus einem Becher auf mich fällt, gleich der Begeisterung, welche die Seele mit Freude erfüllt; denn ich bin versengt von den heissen brennenden Flammen des Feuers der Welt.

 

  „Selig sind diejenigen, auf denen dieses Licht, wenn auch nur auf einen Augenblick ruht, und die mit dir in Einklang kommen.

 

  „Wie werde ich den Ocean des Lebens überschreiten? Wo ist der Pfad? Welchen Weg muss ich nehmen ? Ich weiss es nicht, Meister! Rette mich von den Wunden, vom Schmerze der Welt.“ ¹

 

 

—————

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

— 15 —

 

 

 

 

Der Anfang des Unterrichts.

 

————

 

 

  Ihn, der diese Anrufung (aus seinem Herzen) macht und Hilfe sucht, nachdem er durch die Flamme des Feuers der Welt versengt worden ist, sieht die grosse Seele mit dem Auge des Erbarmens und bringt ihm schnellen Trost:

 

  Ihm, der dem Weisen sich mit Sehnsucht nach Freiheit im Herzen genähert hat und der dem richtigen Pfade folgt, flösst der Weise die Wahrheit ein, besänftigt die Stürme seines Gemütes und bringt ihm Ruhe.

 

  „Fürchte nichts, o Weiser! Für dich ist keine Gefahr vorhanden. Es giebt einen Weg, um das Meer der Welt zu durchschreiten, und auf diesem Wege haben die Weisen das Ufer erreicht. ²

 

  „Denselben Weg zeige ich dir; es ist der

 

 

 

 

— 16 —

 

  Weg, um die Furcht der Welt zu zerstören. Wenn du den Ocean der Welt auf diesem Wege überschreitest, so wirst du zur vollkommenen Freude gelangen."

 

  Durch die Erkenntnis des Zweckes der Weisheitslehre (Vedanta) wird das höchste Wissen geboren. Dann kommt das schliessliche Ende des Leidens der Welt. Die Stimme der Lehre erklärt klar und deutlich, dass Glaube, Ergebung, Betrachtung und das Streben nach der Vereinigung (Yoga) die Mittel zur Erlangung der Freiheit für denjenigen sind, der frei sein will. Wer vollkommen ist in diesen Dingen, erlangt die Freiheit vom körperlichen Gebundensein, welches die Nichterkenntnis geschaffen hat.

 

  Wenn das Selbst durch den Irrtum verschleiert ist, so entsteht das Gebundensein an das Nichtselbst (Anmerkung von Herrn Chatterly: >>das persönliche „Ich"<<; Ende der Anmerkung), und aus diesem entspringt das Leiden der Welt. Das Feuer der Weisheit, angezündet durch die Unterscheidung zwischen den beiden, dem Selbst (Atma) und dem Nichtselbst (Maya), trocknet die Quelle des Irrtums auf und zerstört ihre Wurzel.

 

 

 

— 17 —

 

  Der Schüler frägt:

 

  „Höre mich mit selbstlosem Wohlwollen, Meister. Ich stelle diese Frage, und wenn ich die Antwort von deinen Lippen erhalte, so ist mein Zweck' erreicht.

 

  „Was ist das Gebundensein und wie ist es gekommen? Welche Ursache hat es und wie kann man frei davon werden?

 

  „Was ist das Nichtselbst und was ist das höhere Selbst und wie kann man sie unterscheiden?"

 

 

  Der Meister antwortet:

 

„Glücklich bist du; du wirst dein Ziel erreichen; dein Geschlecht ist gesegnet in dir, denn du strebst darnach, der Ewige zu werden, indem du dich aus den Banden des Irrtums befreist.

 

  „Die Söhne und Verwandten können die Schulden des Vaters bezahlen, aber nur des Menschen eigenes Selbst kann ihn befreien.

 

  „Wenn eine schwere Last das Haupt bedrückt, so können andere dieselbe hinwegnehmen: aber niemand als des Menschen Selbst kann seinen Hunger und Durst stillen.

 

 

 

— 18 —

 

„Die Gesundheit wird von den Kranken erlangt, welche den Weg der Heilung gehen; die Gesundheit wird nicht durch das, was andere nehmen, erlangt.

 

  „Die Erkenntnis der Wirklichkeit durch das Auge des klaren Verstandes wird durch das eigene Sehen erlangt und nicht durch die Augen des Lehrers.

 

  „Die Gestalt des Mondes muss durch die eigenen Augen gesehen werden, man kann sie nicht durch die Augen anderer sehen.

 

  „Nichts als das eigene Selbst ist fähig, die Knoten des Irrtums zu lösen, die Folgen der Begierde und früheren Thuns in Myriaden von Leben. ³

 

  „Freiheit wird gewonnen durch die Wahrnehmung der Einheit des Selbsts mit dem Ewigen, und nicht durch Lehrsätze von der Vereinigung mit demselben oder von Zahlen, noch durch Formeln und Wissenschaften.4

 

  „Die Form und Schönheit einer Leier und die Kunst, auf ihren Saiten zu spielen, kann das Herz der Leute erfreuen, wird aber niemals ein Königreich gründen.

 

  „Ein beredsamer Vortrag, ein Strom von

 

 

 

— 19 —

 

Worten, die Kunst, Lehrsätze zu erklären, und die Gelehrtheit der Gelehrten; diese verschaffen Vergnügen,- aber noch lange keine Freiheit.

 

  „Für denjenigen, welcher die grosse Wirklichkeit nicht erkennen kann, ist das Studium der Schrift fruchtlos; wer aber die grosse Wirklichkeit kennt, für ihn bringt das Studium der Schrift auch keine Frucht.

 

  „Ein Netzwerk von Worten ist ein grosser Wald, in dem die Phantasie sich herumtreibt. Die Wahrheit des Selbsts kann nur von dem Mutigen durch den Erkenner dieser Wirklichkeit erlangt werden.

 

  „Was können die Hymnen (Vedas) und die Schrift denjenigen nützen, der von der Schlange der Nichterkenntnis gebissen ist? Wie könnten Sprüche oder Arznei ihm helfen ohne den Balsam der Erkenntnis des Ewigen?

 

  „Eine Krankheit wird nicht dadurch geheilt, dass man das Wort „Arznei" ausspricht, sondern dadurch, dass man die Arznei nimmt. Desgleichen erlangt ein Mensch nicht die Freiheit dadurch, dass er den Namen des Ewigen ausspricht und ihn dabei nicht erkennt.

 

 

 

 

— 20 —

 

 

  „Wie könnte man Freiheit durch blosse äussediche Worte, die ein leeres Geplapper sind, erlangen, wenn man nicht durch das Sichtbare hindurch (in das Göttliche) dringen und den Ewigen erkennen kann?

 

  „Kann denn ein Mensch ein König werden dadurch, dass er sagt: „Ich bin ein König!" und ohne dass er dabei seine Feinde besiegt und Herrscher im eigenen Lande wird?

 

„Ein Schatz kann gehoben werden dadurch, dass man erfährt, wo er liegt, nach ihm gräbt und die Steine, die ihn bedecken, entfernt, nicht aber dadurch, dass man sagt, er solle aus der Erde herauskommen.

  „Desgleichen können diejenigen zuf Selbsterkenntnis gelangen, welche den Ewigen erkennen, die einsame fleckenlose Wahrheit, die über alle Täuschung erhaben ist Sie erlangen diese Erkenntnis durch ausdauerndes Bestreben, nicht, aber durch flatterhaftes Studieren und Vielwisserei.

 

  „Der Weise strengt sich selbst an, mit

ganzem Ernst und mit dem festen Willen frei zu sein von der Knechtschaft der Welt, als ob er von einer Krankheit frei werden wollte.

 

 

— 21 —

 

  „Und die Frage, welche du heute stelltest, muss von allen denjenigen, welche nach Freiheit suchen, gelöst werden. Diese Frage atmet den Geist der Lehre und ist wie ein Schlüssel zu einem verborgenen Geheimnis.

 

  „Vernimm denn ernstlich, du Weiser, die Antwort, welche ich dir gebe. Wenn du sie verstehst, so bist du frei von den Banden der Welt."

 

——————

 

 

 

 

 

 

 

— 22 —

 

 

 

 

Die Lehre.

———

 

 


Die Weisen nennen diesen sichtbaren Leib den materiellen Körper, der aus Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut u. s. w. gebildet ist und Füsse, Brust, Arme, Rücken, Kopf und Glieder und Organe hat. Dieser Körper ist die Ursache, welche Veranlassung zur Nichterkenntnis der Wahrheit und zu der Täuschung von „Ich" und „mein" giebt. Die feineren Elemente desselben sind die Essentien von Akâsa (Äther), Luft, Feuer, Wasser und Erde.

 

  Indem diese feineren Elemente sich mit einander verbinden, entstehen aus ihnen die gröberen Elemente und die Ursachen, welche den materiellen Körper hervorbringen. Ihre Produkte sind die Thätigkeiten der fünf Sinne, und der Zweck dieser Sinne ist, dem Menschen Erfahrungen zu verschaffen.

 

 

—23 —

 

  Die Thoren, welche an weltliche Gegenstände durch die schwer zu zerbrechenden Bande eines starken Verlangens gebunden sind, werden gewaltsam durch ihr eigenes Karma getrieben, sei es zum Himmel (Swarga), zur Erde, oder zur Hölle (Naraka).

 

  Jedes einzelne (Element), da es an die Eigenschaften der fünf Sinne (Ton u. s. w.) gebunden ist, verfällt dem Tode, wie der Elephant, der durch die Musik, der Schmetterling durch das Licht, der Fisch durch den Geschmack, die Biene durch den Geruch angezogen wird. Um wie viel mehr (wird) dann der Mensch, der durch alle fünf Sinne gebunden ist (vom Vergänglichen angezogen und zum Tode geführt).

 

  In Bezug auf die Heftigkeit der Wirkung des Giftes, welche sie aufweisen, sind sinnliche Anziehungen tödlicher noch als der Biss der schwarzen Schlange (Naja Trapidianus = indische Kobra, Brillenschlange; vgl. zB Homööpathie). Ein gewöhnliches Gift tötet nur denjenigen, der es in seinen Körper aufnimmt; aber sinnliche Gegenstände können schon durch ihren blossen Schein (durch den Reiz, welchen ihr Anblick verursacht) den (geistigen) Tod herbeiführen.

 

 

— 24 —

 

  Wer frei ist von dem so schwer zu vermeidenden Gebundensein durch die Begierden, der allein ist der Erlösung fähig, aber kein anderer, selbst wenn er alle sechs Systeme der Philosophie (die in der Bhagavad Gita erklärt sind) auswendig könnte.

 

  Wer nur in sentimentaler Art für die Freiheit schwärmt, und nur scheinbar frei von Leidenschaft den Ozean des bedingten Daseins zu durchkreuzen sucht, wird von dem Haifisch der Lust erfasst, gewaltsam gepackt, und in die Tiefe gezogen, ertrinkt er.

 

  Nur derjenige, welcher den Haifisch der Begierde durch das Schwert der über alles erhabenen Leidenschaftslosigkeit besiegt, gelangt ohne Hindernis an das jenseitige Ufer

des Daseins, welches von (äusseren) Bedingungen abhängig ist.

 

  Das Gemüt desjenigen, welcher den steinigen Pfad sinnlicher Lüste wandelt, wird trübe und der Tod wartet auf ihn bei jedem Schritte; wer aber unter der Leitung eines (geistigen) Führers oder weisen Menschen, der für sein geistliches Wohl sorgt, den rechten Weg geht, der wird durch seine

 

 

— 25 —-

 

eigene Intuition sein Ziel erreichen. Erkenne dies als die Wahrheit.

  Wenn in dir das Verlangen nach Freiheit vorhanden ist, so musst du sinnliche Dinge weit hinter dir lassen, als ob sie Gift wären; du musst immer und eifrig nach Zufriedenheit (in deinem Innern) suchen, als ob es Ambrosia wäre; also nach Freundlichkeit, Vergebung (für andere), Ruhe und Selbstbeherrschung.

 

  Wer nur daran denkt, seinen eigenen Körper zu pflegen, ist wie ein Mensch, der auf einem Alligator reitend einen Fluss übersetzt und meint, er sitze auf einem Stück Holz.

 

  Diejenigen, welche nach Freiheit suchen, werden durch die Begierden, welche dem Körper angehören, zum grossen Tode geführt. Nur der, welcher frei von solchen

Begierden ist, er allein ist fähig, die Freiheit zu erlangen.

 

  Besiege den grossen Tod, d. h. die Begierde, welche dem Körper entspringt, das Verlangen um Weib u. s. w. Die Munis (Heiligen), welche solche Begierden besiegt haben, erlangen den himmlischen Frieden.

 

 

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  Dieser materielle Körper, den wir geringschätzen, ist aus Haut, Fleisch, Blut, Nerven, Fett, Mark und Knochen zusammengesetzt und voller Unreinigkeit. .

 

  Dieser materielle Körper, aus den fünf groben Elementen zusammengesetzt, welche selbst durch fünffache Vermischung*), aus vorhergegangenem Karma entstanden sind, ist das Gefäss der irdischen Freuden. In dem wachenden Zustande dieses Körpers nimmt man durch ihn sinnliche Dinge wahr.

 

  Das Selbst, welches in ihm verkörpert ist, erfreut sich durch dessen Organe der Gegenwart sinnlicher Gegenstände, wie z. B. Blumenkränze, Sandelholz, Frauen etc. Es ist sich deshalb des Daseins des materiellen Körpers während dessen wachenden Zustandes bewusst.

 

  Wisse, dass dieser materielle Körper, von dem alle äusserlichen Offenbarungen des Geistes (Puruscha) abhängig sind, nur gleichsam das Haus eines Hausbesitzers ist.

 

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*) „Tattwa Bodha." Seite 41. (Separatabdruck.)

 

 

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  Die Erzeugnisse des materiellen Körpers sind Geburt, Altersschwäche und Tod; die Stadien seiner Entwicklung sind Kindheit und was darauf folgt. Auf den Körper, welcher Krankheiten unterworfen ist, beziehen sich die unzähligen Vorschriften in Betreff der Aufführung, Moral u. s. w. und auch Ehre, Unehre, Ansehen u. dgl.

 

  Der Verstand, das Hören, Fühlen, Sehen, Riechen und Schmecken werden „Sinne" genannt, weil sie die Wahrnehmungen sinnlicher Gegenstände vermitteln. Die Sprache, Hände, Füsse u. s. w. werden Thätigkeitsorgane genannt; denn durch sie werden Werke vollbracht

 

  Manas, Buddhi, Ahankriti und Chitta (Gemüt, Intuition, Selbstgefühl, Wissen) mit ihren Funktionen werden die innerlichen Werkzeuge genannt. Manas, weil es Voraussetzungen macht und zweifelt; Buddhi, weil es objektive Erkenntnis (Anschauung) hat; Ahankriti (persönliches Dasein), weil es dem Egoismus (der Begierde nach „Selbstsein") entspringt, und Chitta, weil es die Fähigkeit hat, Einsicht von sich selber zu nehmen.

 

 

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  Die Lebenskraft (Prana) wird infolge der Verschiedenheiten ihrer Funktionen und Veränderungen (indem sie) wie Gold, Wasser etc. (erscheint), prâna, apâna, vyâna, udâna, samâna *).

 

  Die fünf Fähigkeiten, deren erste die Sprache ist; die fünf Organe, deren erstes das Ohr ist; die fünf Lebensäther, angefangen mit prâna; die fünf Elemente, akâsa, buddhi und die übrigen, avidyâ (Nichterkenntnis), aus welcher Kama (Begierde) und Karma (Handeln) entspringt; alle diese zusammen-

 

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Chatterji, Mohini, "Das Palladium der Weisheit (Viveka Chundamani) Von Sankaracharya, Aus dem Sanskrit übersetzt, Von Mohini Chatterji", LEIPZIG, Verlag von Wilhelm Friedrich.